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„Nie mehr vergessen“- Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz/ Krakau

Vom 20. Januar bis zum 25. Januar hat die Oberstufe des Grashof Gymnasiums eine Exkursion nach Krakau und Auschwitz unternommen, die neben dem Wunsch sich persönlich weiterzubilden auch offene Fragen beantwortete und uns Schülern nachdrücklich die Augen öffnete, wie es Filme und Unterrichtsstunden nicht nie können werden.

 

 

Den ersten Tag unseres Aufenthaltes verbrachten wir in Krakau, indem wir uns das ehemalige jüdische Ghetto, sowie eine liberale Synagoge anguckten. Vor allem der Platz auf dem früher Deportationen stattgefunden haben ist mir in Erinnerung geblieben. Ein Platz, der heute künstlerisch genutzt wurde, um den Menschen zu gedenken, die dort früher stehen mussten, oft stundenlang, bis sie letztendlich deportiert wurden. Eingepfercht in Güterwaggons oder Viehwagen wurden sie in die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und Auschwitz- Birkenau gebracht.                                                                                                                    Heute sieht man auf diesem Platz große Stühle aus Metall, von denen die einen sage, dass man sich nicht auf sie setzen dürfe, andere jedoch meinen, dass dies gerade ihr Sinn wäre. Als wir auf diesem Platz standen, eng zusammen und fröstelnd stockte mir persönlich zwischendurch der Atem, als ich darüber nachdachte wie es den Menschen, die früher an genau meiner Stelle standen ergangen sein muss. Ich muss sagen, dass ich deren Angst und Ungewissheit nicht nachempfinden kann, jedoch wurde mir in diesem Augenblick, auf der Fahrt das erste Mal klar, dass wir, diese kleine Gruppe, die so eng beieinander stand und auf die Metallstühle starrte dafür verantwortlich sein werden was später ist und dafür wie unsere Zukunft aussieht. Wir sind dazu in der Lage zu verhindern, dass sich Menschen anderen so dermaßen überlegen fühlen, dass sie denken in der Position zu sein, Gott zu spielen. Wir können dafür sorgen, dass die kleineren Metallstühle am Rande des Platzes nicht mehr Leuten dienen, die zuschauen wie Menschen, die ihnen unterlegen sind leiden. Wir können dafür sorgen, dass auch die kleinen Metallstühle, die dem Platz abgewandt sind, nie wiederbesetzt werden. Weil wir eine Generation sein können, die nicht wegschaut und nicht zuschaut, sondern die handelt und zwar gegen eine Bewegung, die dermaßen gegen jegliche Menschenrechte verstößt, wie es nie wieder der Fall sein sollte.

Als wir an diesem Abend zurück ins Hostel gekommen sind, haben wir nicht „rumgealbert“, wie auf anderen schulischen Exkursionen, sondern uns eher ruhig unterhalten, vielleicht weil uns erst an diesem ersten Tag wirklich klar wurde, wie wir diese Woche verbringen werden und was das in uns auslösen kann oder wird.

Am zweiten Tag haben wir unsere Koffer gepackt und sind für den Rest der Woche nach Oswiecim gezogen. Dort haben wir zuerst einen Workshop gemacht in einem jüdischen Museum und haben uns auch dort eine Synagoge angeguckt, wobei der einzige wirklich Unterschied zwischen den Informationen über beide Synagogen war, dass die eine liberal und die andere eher konservativ ist. Außerdem war es Pflicht für die männlichen Personen eine Kippa, beim Betreten der Synagoge, aufzusetzen. Der Workshop unterrichtete uns über das Leben der Juden in Oswiecim vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Uns wurde einerseits eine jüdische Fußballmannschaft vorgestellt, eine Familie, die alkoholische Getränke herstellte, sowie ein Rabbiner, der in Oswiecim gelebt hat. Nachdem wir also etwas über das jüdische Leben vor dem zweiten Weltkrieg gelernt haben, fuhren wir zu einem der Orte wo dieses für viele von ihnen endete.

Wir besuchten zum ersten Mal das Stammlager. Mit Kopfhörern auf unseren Ohren, die permanent die Stimme unseres Guides in unsere Ohren ließen, wandelten wir wie benommen und komplett still über das Gelände des Stammlagers und durch die verschiedenen Baracken und Blöcke. Vorbei an Tonnen von Haaren, die den Opfern abrasiert wurden, um sie zu verkaufen und ihnen ihr gewohntes Aussehen zu nehmen. Dies war der erste Schritt in Richtung Identitätslosigkeit. Wir gingen vorbei an Bergen von Schuhen und Koffern, auf die, sorgfältig Vor- und Nachnahme, der Häftlinge geschrieben war. Mit der Hoffnung auf ein neues Leben und Arbeit reisten viele der Opfer nach Polen, unwissend, dass sie für eine Reise in den Tod bezahlt hatten. Sobald sie im Stammlager angekommen waren wurde „aussortiert“. Menschen, die als arbeitsfähig galten wurden desinfiziert und bekamen die gestreiften Häftlingsanzüge, die anderen kamen in die Gaskammern und verließen das Lager so schnell wie sie gekommen waren. Aber nicht durch das Tor, sondern durch den Schornstein, wie es die Nazis auch den anderen zu verstehen gaben. Denn ihre Willkommensrede bestand darin, den neuen Häftlingen ihre Lage zu erklären: Raus geht es nur durch den Schornstein und wem das nicht passt, der kann direkt in den Draht gehen. Das bedeutet, dass die Häftlinge nicht lebendig aus dem Lager herauskommen werden und, dass die, die etwas gegen diese Regelung haben sich selbst das Leben nehmen sollten, denn wer dem Draht, der das gesamte Gelände umspannt, zu nahe kommt wird erschossen.

Für mich war es erst schwer zu glauben, dass die Nazis ihren Opfern ein neues, besseres Leben versprochen haben und viele sogar für ihre Fahrt in einem der vollgepackten Waggons bezahlen mussten. Als ich jedoch die ganzen persönlich Utensilien gesehen habe, wurde auch mir langsam klar, dass es stimmen musste. Und so liefen wir weiter, vorbei an Schuhcremes und Nagelscheren, vorbei an Kleidung und Kinderspielzeug. Währenddessen erklärte uns unser Guide welche Qualen die Häftlinge erleiden mussten und unter welchen schlechten Bedingungen sie lebten. Ständige Schläge, Tritte und Beschimpfungen der Kapos standen an der Tagesordnung. Extrem schwere und ermüdende Arbeiten waren ihr Alltag, begleitet vom Häftlingsorchester, das den Takt vorgab: immer im Gleichschritt marschieren und wehe jemand wurde müde und verletzte sich während der Arbeit, denn der Krankenbau war eigentlich nur Propaganda. Dort wurde man nicht gesund gepflegt. Die schwer erkrankten wurden in die Gaskammern geschickt und die mit leichten Verletzungen durften sich ein paar Tage dort aufhalten, bekamen aber keineswegs Medikamente.

Wir wurden weitergeführt und erfuhren was Ärzte in Auschwitz in Wirklichkeit praktizierten. Diese Vorgehensweise Medizin zu nennen wäre in jeglicher Hinsicht nicht richtig.

Carl Clauberg führte Menschenversuche an jungen Frauen durch, um diese zu sterilisieren. Die meisten seiner Versuche scheiterten jedoch und die Patientinnen starben. Zu Carl Clauberg gab es relativ viele Texte, die seine Arbeit, sowie seine Person detailliert beschrieben. Was mich jedoch wunderte ist, dass es nur sehr wenige Dokumente über die Verbrechen von Doktor Mengele gab, den viele als einen der schlimmsten KZ- Ärzte beschreiben würden und dessen Geschichte mich und bestimmt auch andere sehr interessiert hätte. Dadurch, dass ich vorher schon diverse Bücher über KZ-Ärzte gelesen habe, war ich persönlich nicht unwissend über diesen Themenbereich. Andere Schüler jedoch wussten kaum etwas mit seinem Namen anzufangen, als ich sie nach unserem Aufenthalt im Stammlager danach fragte, was mich ein wenig geschockt hat, da ich denke, dass jeder diesen Namen kennen müsste.

Als wir nach der Führung durch das Stammlager dem Schotterweg zwischen den Baracken folgten, um das Lager zu verlassen, wurde mir ganz mulmig zumute als ich daran dachte wie einfach es für uns ist einfach durch das Tor nach draußen zu gehen, das für so viele Menschen nie ein Ausgang war. An diesem zweiten Tag in Polen habe ich mich nicht getraut ein einziges Foto zu machen. Es fühlte sich so falsch an von einem so schrecklichen Ort Fotos zu machen, die letztendlich neben Urlaubsfotos und verschickten Hausaufgaben landen. Meiner Meinung nach hat dieser Ort mehr Würdigung verdient und auch den Menschen gegenüber, die in den Gaskammern, auf dem Gelände, ihr Leben ließen ist es meiner Meinung nach respektlos den Ort ihres Leidens so leichtfertig zu dokumentieren. Kurz bevor wir also das Stammlager verließen ging die Sonne unter und hinter dem Stacheldraht färbte sich der Himmel orange- golden und es kam mir irgendwie vor wie ein schlechter Witz, dass der Himmel sich gerade jetzt so wunderschön verfärbte, obwohl wir an diesem schrecklichen Ort standen und ich mich fragte wie es sein kann, dass etwas so schönes gerade jetzt zu sehen ist, Ende Januar, im Stammlager von Auschwitz.

Mittwoch besichtigten wir das Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau. Wir hatten uns alle extra warm angezogen, da wir darauf gefasst waren eine Führung über dieses riesige Gelände zu erhalten, die nur draußen sein wird (bzw. kurzzeitig in Baracken, die jedoch ebenfalls kalt sein würden). Als erstes besichtigten wir eine Schlafbaracke für Erwachsene und deren „Waschraum“ und danach eine Kinderbaracke. Ich hatte schon vorher Fotos von den Stockbetten gesehen, in denen die Häftlinge zu mehreren schlafen mussten, jedoch als ich so nah vor einem dieser Betten stand wurde mir fast schlecht. Bei dem Gedanken unter welchen unmenschlichen Zuständen die Häftlinge schlafen mussten, konnte ich kaum fassen, dass Menschen anderen Menschen so etwas grausames antun können. Was mich persönlich jedoch am meisten schockierte ist, dass es Menschen aus unserer Generation gibt, die es wagen sich an einem solchen Ort zu verewigen. In der Kinderbaracke wurde uns eine Wand gezeigt, die voll mit Namen, Daten und Liebeserklärungen, seien sie für einen Menschen oder den Lieblingsfußballverein, ist. Dieses Bild hat mich so erschreckt, dass ich mich fragen musste, ob wir wirklich die Generation sind, die in Zukunft dafür sorgt, dass so etwas nie wieder geschieht, oder ob unsere Generation, dieses Thema nicht so ernst nimmt wie es sein sollte. Freitag hatten wir die Möglichkeit mit einem Zeitzeugen zu reden, was zweifellos eine unglaubliche Erfahrung war, da er uns vieles näher gebracht hat und besser erklären konnte, als jedes Schulbuch.

Die Fahrt nach Auschwitz und Auschwitz- Birkenau, sowie Krakau und Oswiecim hinterließ bei mir bleibende Erinnerungen und Eindrücke, die mir niemand jemals nehmen kann und dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin froh diese Eindrücke gewonnen zu haben und in der Lage zu sein später vielleicht meinen Kindern berichten zu können da gewesen zu sein und wie wichtig es ist mit eigenen Augen gesehen zu haben, was für immer Teil der Geschichte sein wird. Ich war stolz meinen Eltern berichten zu können, was wir Neues gelernt haben und was ich schon wusste, mit ihnen zu teilen wie es sich angefühlt hat an einen solchen Ort zu kommen und was es mit einem selbst macht. Was mir jedoch nicht wirklich gefallen hat, war dass wir drei Mal das Stammlager besucht haben, da mir aufgefallen ist, dass sich das Gefühl verändert, je öfter man durch das Tor geht. Das Gefühl von Ehrfurcht und Respekt nimmt schwach, aber dennoch merklich ab. Das erste Mal im Stammlager war überwältigend. Alle waren still, keiner hat geredet und wenn doch, dann keinesfalls Privatgespräche. Beim zweiten Mal war die Stimmung schon etwas aufgelockert. Man wusste sozusagen was einen erwartet und wurde sozusagen nicht ins kalte Wasser gestoßen. Schüler rannten durch das Stammlager und manche fingen an Privatsachen zu bereden, als würden sie nicht gerade durch einen der größten Tatorte der Menschheit gehen. Der dritte Tag war daraufhin ähnlich. Ich bezweifele nicht, dass es wichtig ist so gut wie alle Informationen mitzunehmen, jedoch denke ich, dass die Besuche im Stammlager nicht nur als eine weitere Chance gesehen wurden mehr über die Verbrechen des NS- Regimes zu erfahren, sondern von vielen als eine Art Pause gesehen wurden. Vor allem am dritten Tag, was ich für nicht richtig halte. Was mir außerdem vor allem im Gedächtnis geblieben ist, ist der Satz, den der Zeitzeuge zu uns gesagt hat: „Ich hoffe ihr müsst niemals erfahren, was das Wort Krieg bedeutet.“ Dieser Satz schwirrt seit unserem Aufenthalt in Polen in meinem Kopf umher und ich danke Gott dafür, dass ich noch nicht erfahren habe was Krieg bedeutet. Aber dieser Satz lässt mich in letzter Zeit auch oft Nachdenken, darüber wie sich manche Leute äußern über die Menschen, die zur Zeit in unser Land fliehen, weil sie kein Zuhause mehr haben und weil sie erfahren haben was Krieg bedeutet. Nach der Gedenkstättenfahrt ist mir noch einmal mehr klar geworden, dass Aussagen wie: „Ich bin zwar kein Rassist aber…“ zu weit gehen. Man kann sich natürlich kritisch der Situation gegenüber äußern, jedoch denke ich, dass es nicht sein kann, sich so feindlich gegenüber Menschen zu äußern, die unsere Hilfe brauchen und unsere Unterstützung, wenn man daran denkt, dass Auschwitz passiert ist. Wie können Menschen heutzutage Flüchtlingsheime in Brand stecken, oder im Internet über Ausländer und Minderheiten hetzten, wenn Auschwitz passiert ist?

Zeigt dieses Verhalten, dass wir noch nichts gelernt haben?

Oder zeigt dieses Verhalten, dass wir nichts lernen wollen?

Um ehrlich zu sein kann ich darauf keine Antwort geben. Jedoch hoffe ich, dass die Menschen irgendwann merken was es über sie aussagt, wenn sie sich so respektlos gegenüber anderen benehmen und ich hoffe, dass sie eines Tages einsehen, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern noch viel mehr.

Von Diana Drichel

Hier ein weiterer Bericht über die Gedenkfahrt von Amelie Könemann

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